Die Geschichte des Tees
aus japanischer Sicht

Japan - GeschichteTee ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Die Geburtsstätte der Pflanze liegt in Südwest-China, in der Provinz Yunnan. Diese Region grenzt an Vietnam, Laos und Myanmar und hat subtropische bis tropische Vegetation. Von hier aus eroberte die Teepflanze ganz Ostasien.

Eine chinesische Legende besagt, dass vor langer Zeit der Kaiser von China das Teetrinken entdeckte. Die Geschichte geht so: Der Kaiser von China saß unter einem Baum und trank sein Leibgetränk: heißes Wasser. Ein Wind kam auf, wehte Blätter des Baumes in die Tasse, der Kaiser nippte daran und war begeistert über den Geschmack und die vitalisierende Wirkung. Der Baum stellte sich als Teebaum heraus, das Tee trinken war geboren.

Das Beispiel des Kaisers zeigt gut, welche Form des Tees in Ostasien am meisten geschätzt wird: grüner Tee. Idealerweise so frisch wie in der Legende, vom Teebaum/Teestrauch direkt in die Tasse. In China, der größten Teenation der Welt, ist grüner Tee die dominante Teeform. Und Japan hat sich als einziges Tee-Anbauland überhaupt nur auf Grüntee spezialisiert. Das japanische Wort für Tee „o-cha“ bedeutet nicht einfach „Tee“, sondern immer „grüner Tee“.

Tee und Buddhismus
Tee mag in China lange Jahre bekannt gewesen sein – den wirklichen Durchbruch schaffte Tee jedoch erst mit der Ausbreitung des Buddhismus. Tee und Buddhismus sind in Ostasien eine fast untrennbare Symbiose eingegangen. Überall, wo es buddhistische Klöster gibt, sind Teegärten nicht weit.

Die erste Hochblüte der Teekultur war in China um das 8. Jahrhundert, hier begannen erste schriftliche Aufzeichnungen über den Tee und das Teetrinken. Tee wurde derart populär, dass Teehäuser und Teegeschäfte entstanden. Es war die Zeit der Tang Dynastie (618-907), eine Zeit, in der die ersten regen Kontakte zwischen China und Japan entstanden. Spätestens um das Jahr 800 gelangte Tee nach Japan, zwischen den buddhistischen Mönchen in China und Japan gab es zu dieser Zeit einen regen Austausch. Japanische Mönche reisten nach China, besuchten Tempel, lernten, wurden ausgebildet und kamen sehr schnell mit Tee in Berührung – im Buddhismus war Tee ein essentielles Gesundheitselixier, das nicht nur „langes Leben“ versprach, sondern den Mönchen auch bei der Meditation half. Wer einen ganz bestimmten, zu feinem Pulver vermahlenden Tee trank (Matcha Tee), konnte stundenlang konzentriert meditieren, ohne von Müdigkeit übermannt zu werden. Japanische Mönche brachten dann die Teesamen – gemeinsam mit allen anderen wichtigen Utensilien für den Buddhismus – mit nach Japan.

Einer dieser Mönche, die nach dem Studium in China nach Japan zurückkehrten, war Mönch Eichu. Mit Tee im Gepäck: eine Sensation. So groß war die Neuigkeit, dass der japanische Kaiser (Tenno) höchstpersönlich Mönch Eichu im Tempel Sufukuji besuchte. Der Mönch Eichu servierte ihm dort eine Tasse Tee. Der Kaiser war vom Tee derart beeindruckt, dass er den Teeanbau im kaiserlichen Palastgarten anordnete, und zwar nicht in der Ecke der Zierpflanzen, sondern in der Abteilung für medizinische Gewächse. Über den Geschmack des damaligen Tees ist nicht viel überliefert, wohl bestand aber dieser Tee der Urspungszeit aus gepressten Teeblättern. Der so genannte „Dancha“ wurde erst gedämpft und dann zu kleinen, handlichen „Nestern“ geformt und getrocknet – so blieb der Tee länger haltbar. Zum Trinken brach man ein Stück ab, übergoss es mit heißem Wasser und gab – je nach Geschmack – noch unterschiedliche Gewürze dazu.

Matcha Tee – Meditationsmedizin der Zen-Mönche
Die Zubereitungsart des Matcha Tees wurde etwa im 9. Jahrhundert entwickelt. Buddhistische Mönche in China (Chang-Buddhismus, aus dem sich später in Japan der Zen-Buddhismus entwickelte) wollten aus Tee Medizin herstellen. Wie in der traditionellen ostasiatischen Medizin üblich, trockneten sie die Teeblätter und vermahlten sie in Steinmühlen zu einem feinen Pulver: Matcha Tee.

Matcha wurde mit warmem Wasser aufgegossen und mit Hilfe eines Bambus-Besens aufgeschlagen. Genau wie bei anderen Heilkräutern auch, wurde der Tee traditionell in buddhistischen Klöstern hergestellt und zum Großteil dort konsumiert. Während das Geheimnis des Matcha Tees in China verlorenging, wurde dieser edle Tee in Japan im Rahmen des Buddhismus und der Teezeremonie bis zum heutigen Tage weitergepflegt.

Der Abt Eisai nahm 1191 Teesamen in größeren Mengen mit zurück nach Japan. Außer den Teesamen brachte er noch etwas Revolutionäres aus China: eine einzigartige, geheime Methode, Tee herzustellen – eine Matcha-Steinmühle. Eisai bereiste zahlreiche Klöster im ganzen Inselreich, um die in China so populäre Lehre im Land zu verbreiten. Dazu gehörte auch das Wissen über den Tee. In verschiedenen Klöstern wurden mit Eisais Hilfe Teefelder angebaut und das Wissen um die Tee-Herstellung verbreitet.

Eisai verfasste auch die erste Abhandlung über Tee, das „Kissa Yojoki – Das Buch vom Tee trinken und seiner Wirkung auf die Gesundheit“ (1211), in dem er ausführlich auf die gesundheitliche Wirkung einging. In seinem Buch heißt es: „Tee ist ein Elixier für gute Gesundheit und ein wunderbares Mittel, das Leben zu verlängern.“

Es ist überliefert, dass Eisai dem Shogun Minamoto Sanemoto, der an den Folgen eines heftigen Trinkgelages litt, empfahl, Tee zu trinken, und ihn so kurierte.

Anfänglich war der Tee nur für den Hochadel, hochrangige Krieger und den Klerus vorbehalten. Bauern kultivierten zwar den Tee, mussten ihn jedoch (insbesondere die erste Ernte) an die herrschende Schicht abgeben. In der Hand der Kriegerklasse veränderte sich die Natur des Teetrinkens vollständig. Tee wurde ein Bestandteil eines Rate-Wettspieles (Tocha). Zu diesem gab es Musik, Spiele und Tanz, gefolgt von Gelagen, bei denen große Mengen von Reiswein getrunken wurden.

Ein völlig anderes Verständnis vom Tee trinken hatte die schlichte Welt des Zen. Der Zen-Buddhismus entwickelte seine eigene stille und beschauliche Art, den Tee zu zelebrieren, woraus allmählich eine Form mit strengen Regeln entstand, die schließlich in der japanischen Teezeremonie gipfelte. Sen no Rikyu hatte schließlich 1570 die japanische Teezeremonie endgültig geformt – bis heute hat sich nichts daran geändert.

Das ritualisierte Tee trinken war wichtig für Zen-Mönche, denn erst wenn eine Handlung standardisiert und einstudiert ist, ergibt sich die Möglichkeit, den Geist zu für die Meditation zu befreien. Sen no Rikyu erklärte in seinen Gedichten zum Tee-Weg, wie Matcha richtig zuzubereiten und zu trinken ist.

Bancha und Sencha – die Tees des Volkes
Über Jahrhunderte blieb Teetrinken, insbesondere der Genuss der wertvollen Matcha-Tees, ein exquisites Vergnügen der oberen Zehntausend. Doch allmählich entwickelten auch die unteren Schichten ein Gespür für Tee. Denn selbst wenn der beste Tee (die erste Ernte) an Samurais und Mönche abgeliefert werden musste, gab es in den Feldern noch genügend Tee (spätere Ernten). Spätere Ernten heißen auf Japanisch „Bancha“. Bancha ist der Volkstee.

Die Bauern wussten damals nur soviel über Tee: pflücken, dämpfen, trocknen und abliefern. Für ihre eigenen Tees wurden die Teeblätter wie gehabt gedämpft. Doch statt sie nur langsam zu trocknen, entstand sehr bald die Methode, die frisch gedämpften Blätter zu rollen, zu kneten und dabei zu trocknen. Allmählich entdeckten sie, dass sich das Aroma intensiviert, wenn die Blätter gerollt werden – der Sencha war geboren. Sencha heißt übersetzt soviel wie Alltagstee und ist in Japan nach wie vor die populärste Teesorte.

Japan Geschichte 2

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